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Autor: bio-siegel.de
Stand: 01.08.2010

bio-siegel.de: Seit wann sind Sie in der Öko-Branche tätig bzw. seit wann vertreiben Sie Öko-Produkte?
Florian Mayr: Wir als junges Unternehmen wurden vor zwei Jahren zum ersten mal mit unserer Bioeis-Produktion in Wiesbaden zertifiziert. Da wir in unserem Eisfachgeschäft in Frankfurt am Main teilweise eine frische Veredelung der Grundsubstanzen vornehmen, wurde dieser Betrieb ebenfalls – mit eigener Öko-Kontrollnummer – zertifiziert. Jetzt sehen wir die Prüfer doppelt so oft. Das freut uns, denn wir arbeiten prima zusammen und sind für jeden Hinweis zur Optimierung von Seiten der Kontrollstellen dankbar.
bio-siegel.de: Wie ist Ihr Unternehmen dazu gekommen, Öko-Produkte auf den Markt zu bringen?
Florian Mayr: Einer unserer Gründer macht seit nunmehr 30 Jahren Eis, allerdings nie mit dem Hintergrund einer professionellen Produktions- und Vertriebsstruktur. Da das positive Feedback im Bekanntenkreis aber immer lauter wurde, haben wir uns vor zwei Jahren dazu entschlossen, dem ganzen den angemessenen Rahmen zu geben. Seitdem machen wir ohne Unterlass nichts anderes, haben dabei Bio-Innovationen wie europaweit das erste Bio Soft Eis, den Eisburger und zuletzt Suppe mit Eis entwickelt – alles 100 Prozent Bio, vegetarisch, die Fruchtsorbets sogar vegan.
Zurzeit bereiten wir die neue Saison vor und bauen den Gastronomievertrieb (bislang beliefern wir die Szenegastronomie von Hamburg bis Stuttgart) weiter aus.
bio-siegel.de: Welche Bedeutung haben Öko-Produkte am Gesamt-Umsatz Ihres Unternehmens?
Florian Mayr: 100 Prozent, wir haben keine konventionellen Produkte – was Lagerhaltung und Kontrollvorgänge extrem erleichtert. Ich würde auf alle Fälle wieder dazu raten.
bio-siegel.de: Was ist der Schlüssel zum Erfolg Ihres Unternehmens?
Florian Mayr: Vermutlich der richtige Mix aus Qualitätsanspruch, Innovation, Attitüde und Leistungsbereitschaft. Am Ende zählt aber immer das zufriedene Gesicht des Kunden, deshalb ist Eis so ein tolles, weil 'einfaches' und bidirektional kommunizierendes Produkt.
Wenn es nicht schmeckt, ist das Feedback sofort da und wir können die Produktion optimieren. Hier haben wir als kleine Bio-Eis-Manufaktur einen strategischen Wettbewerbsvorteil, denn wir produzieren jeden Auftrag immer frisch, nie 'auf Halde'. Deshalb gibt es uns auch nicht im klassischen Lebensmitteleinzelhandel, denn der will ein Mindesthaltbarkeitsdatum vom einem Jahr. Frische ist also ein zentrales Element für unsere Kunden und unkonventionelle Aufträge zu nachhaltigen Themen, wie zum Beispiel das Eröffnungs-Catering der letzten 'grünen' IAA, machen wir besonders gerne, denn da stimmt dann endlich mal alles.
bio-siegel.de: Welche Unternehmensphilosophie zeichnet Sie aus?
Florian Mayr: Nachhaltigkeit ist zurzeit in aller Munde. Für uns als junges, eigenkapitalfinanziertes Unternehmen ebensowichtig ist aber auch das 'Upcycling', also das Umnutzen vorhandener Dinge zu neuen Strukturen. Darüber hinaus sind wir unseres Wissens auch die Einzigen, die im Bereich Food ein komplettes LOHAS-Konzept umgesetzt haben: Wir produzieren soweit möglich regional (Joghurt und Sahne vom Bauernhof um die Ecke und anderes), atomstromfrei mit Wasserkraft von der Staustufe und verwenden kompostierbare Togo-Gebinde sowie kompostierbare Einweglöffel. Wir servieren in unserem Laden Speisen und Getränke ausschließlich auf 100 Prozent Reyclingglas. Außerdem sind wir flugfruchtfrei, benutzen FSC-zertifizierte Papiere und Kartons und lassen diese mit wasserlöslichen Biolacken bedrucken. Wir verwenden ungebleichte Servietten, Einpackpapiere und Recyclingkartons und hosten unsere Websites auf modernen Green-Power Servern.
Wir kommunizieren mit den vorhandenen Ressourcen so eindeutig und transparent wie möglich. Deshalb laden wir unsere Kunden immer wieder ein, mit uns in Dialog zu treten, denn nur durch deren Rückantwort sind wir in der Lage, einen steten Qualitätsprozess weiter zu optimieren – sei es beim Vieraugen-Gespräch im Laden oder durch die vielfältigen digitalen Kanäle (Web, blog, mail, newsletter etc).
bio-siegel.de: In welchen Bereichen planen Sie Investitionen bzw. wollen Sie das Unternehmen weiter entwickeln?
Florian Mayr: Zurzeit planen wir den Relaunch unseres ersten Eisfachgeschäftes in Frankfurt am Main. Die steten Innovationen zwingen uns immer wieder zu Optimierungsmaßnahmen, aber das machen wir auch gerne. 'work in progress' ist das Motto und jeder ist herzlich eingeladen, bei diesem Prozess dabei zu sein.
bio-siegel.de: Wie sichern Sie die Qualität Ihrer Öko-Produkte?
Florian Mayr: Wareneingangs- und Ausgangskontrolle mit umfassender Dokumentation, ständige Kontrollen durch Lebensmittelhygiene, die Kontrollstelle Gesellschaft für Ressourcenschutz (GfRS) und unabhängige Labore, dazu gesunder Menschenverstand im Umgang mit Premium Bio Lebensmitteln. Dazu kommt natürlich das Feedback unserer Kunden aus Gastronomie, Handel und eigenen Shops.
bio-siegel.de: Wie stellen Sie sich die Zukunft des Ökolandbaus und des Öko-Handels vor?
Florian Mayr: Bisher haben wir ausnahmslos nette Menschen in dieser Branche kennen gelernt. Ich hoffe, das bleibt so!
bio-siegel.de: Wie beurteilen Sie den Markt für Öko-Produkte jetzt und in Zukunft?
Florian Mayr: Da sich auch die konventionellen Anbieter (Discounter und andere) der 'Bio-Marge' nicht entziehen wollen, bleibt immer nur die 'Flucht' nach oben in Richtung maximale Produkt-Qualität. Deswegen war uns von Anfang an wichtig, uns erstens als Premium-Anbieter und nachgelagert als Bio-Anbieter zu positionieren – sozusagen als Selbstverständlichkeit, was bei unserem überschaubaren Portfolio aber langfristig auch leistbar ist. Mit unseren anderen Produkten haben wir noch zu wenig verwertbare Erfahrungen, merken aber, dass den Menschen draußen oft eine Entscheidungshilfe zwischen "bio-discount" und "bio-premium" fehlt. Spätestens nach einem ersten Bio-Skandal wird man hier branchenweit noch einmal drüber nachdenken müssen.
bio-siegel.de: Was hat Sie dazu bewogen, das Bio-Siegel zu verwenden?
Florian Mayr: Wir sind vier Gründer und waren uns zu anfangs auch nicht einig, was die Nutzung des Bio Siegels betraf. Es stand fünfzig zu fünfzig, wobei ich jetzt sehr froh bin, dass wir uns letztendlich doch dafür entschieden haben. Es kann heute keinen anderen Weg mehr geben, wenn man mit einem neuen Produkt, einer neuen Marke auf dem Markt Erfolg haben will.
bio-siegel.de: Was versprechen Sie sich für die Zukunft davon?
Florian Mayr: Sicherheit für die Produktentwicklung. Wir entwickeln beständig neue Sorten, Produkte und Services, da ist die ausschließliche Verwendung zertifizierter Bio-Rohstoffe ein Garant für beste Produktqualität. Man schläft auch besser...
bio-siegel.de: Hat die Nutzung des Siegels Auswirkungen auf Ihr Unternehmen bzw. Ihre Produkte?
Florian Mayr: Natürlich, es macht die Sortenentwicklung nicht gerade leicht, erschwert zudem die kurzfristige Entwicklung, wenn wir Anfragen aus dem Bereich Events, Catering oder Messe bekommen. Manche Sachen sind – insbesondere kurzfristig – gerade nicht oder nicht in der richtigen Menge lieferbar. Da ist dann Kreativität gefragt! Aber die Vorteile überwiegen bei Weitem.
bio-siegel.de: Welchen Beitrag kann das Bio-Siegel Ihrer Meinung nach für die Zukunft Ihres Unternehmens und des Bio-Marktes allgemein leisten?
Florian Mayr: Es positioniert uns für die Verbraucherinnen und Verbraucher als nachhaltig operierendes Unternehmen. Für den Qualitätsanspruch, den wir von uns und unseren Produkten erwarten, sorgt dann die Produktionsqualität unserer Manufaktur und die richtige Marketing-Kommunikation.
bio-siegel.de: Welche Veränderungen in Politik und Gesellschaft würden Sie sich wünschen?
Florian Mayr: Oooch, das ist ein weites Feld. Ich wäre schon zufrieden, wenn Kinder umsonst Museen, Busse und Schwimmbäder benutzen könnten, wirklich Kranke krank sein dürften und irgendjemand den alten Menschen die Taschen nach oben trägt. Es sind abseits der großen infrastrukturellen und konjunkturpolitischen Themen die kleinen Dinge des Alltags, die unser Land, unsere Gesellschaft in den Augen der ausländischen Gäste so untolerant, unlocker, oft ungastlich erscheinen lassen. Für das andere, nämlich Genuss mit Verantwortung langfristig sinnvoll zu verknüpfen, sind wir von healthy planet in unserem Wirkungskreis schon mal an den Start gegangen.
bio-siegel.de: Was würden Sie anders machen, wenn Sie noch einmal von vorn anfangen könnten?
Florian Mayr: Physik studieren und Astronaut werden. Die Stille da draussen und der Abstand zu den Dingen, das muss herrlich sein!
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